Karate-Dojo-Freising e.V. - Wado Ryu Karate


Karate

Der Ursprung des Karate liegt in Okinawa, der Hauptinsel der Ryukyu-Inseln, südlich von Japan.

Ursprünglich lag Okinawa unter chinesischem Einfluss. 1392 wird erstmals eine Kampfkunst namens Té urkundlich erwähnt. Diese vermischte sich mit dem chin. Quan-Fa (Kung-Fu) zu To-Té. Das heißt soviel wie „Hand aus China" oder „Die chin. Technik". Die weitere Entwicklung spaltete das entstandene Okinawa-Té dann in verschiedene Stilrichtungen ,je nachdem aus welcher okinawanischen Stadt man kam : Shuri-Té, Naha-Té, Tomari-Té.

Einer der größten Meister im Shuri-Té war Anko Azato. Er vertrat den klassischen Stil der Matsumura-Linie. Sein bester Schüler war Gichin Funakoshi (1869 - 1957). Als Sohn einer Samurai-Familie der Shizoku-Kaste geboren, kommt Funakoshi in die Obhut seiner Großvaters, einem weisen Gelehrten und Mönch. Als Funakoshi Azato trifft, sind seine ersten Jahre bei ihm die schwersten. Funakoshi lernt und übt die ersten drei Jahre nichts anderes als eine einzige Kata, immer und immer wieder. Dies diente auch dazu Gefühle wie Frustration oder Erniedrigung zu überwinden. Funakoshi geht als Erwachsener nach Naha, wo er noch bei Itosu und Aragaki trainiert, aber sein Kontakt zu Azato reißt bis zu dessen Tod nicht ab. Okinawa-Té war inzwischen auch in Japan bekannt geworden und die Nachfrage nach „Shows" war groß. In Japan war diese Kampfkunst aber unter einem anderen Namen bekannt: Karate.

So wurde Funakoshi auserwählt nach Japan zu gehen und dort Karate-Shows abzuhalten. 1938 kam es zur Gründung einer eigenen Stilrichtung, Funakoshi hatte inzwischen 12 Dojos in Japan gegründet und unterrichtete Karate. Aber Streitigkeiten mit den Ältesten auf Okinawa über die Einsetzung der „alten, geheimen, Techniken" in das „Karate für die Allgemeinheit" brachten Funakoshi dazu seinen Stil zu erschaffen. In Japan war er nicht unter seinem richtigen Namen bekannt, sondern unter seinem Künstlernamen, mit dem er auch z.B. seine Gedichte unterschrieb : SHOTO (Pinienrauschen)

Wado Ryu

Hironori Ohtsuka
Hironori Ohtsuka

Wado-Ryu-Karate, das von Sensei Hironori Ohtsuka (1892 - 1982) entwickelt wurde, stellt eine Kombination japanischer Kampfkünste (Yagyu Kenjutsu, Yoshinryu Jiu-Jitsu Kempo) mit dem aus Okinawa stammenden Karate dar, das Ohtsuka Sensei von Funakoshi Sensei, Mabuni Sensei und Motobu Sensei lernte. Das technische Repertoire der Stilrichtung umfasst daher aus dem Jiu-Jitsu Techniken wie Hebel und Würfe und aus dem Karate Tritte, Blocks, Schläge und Stöße.
Der Name Wado-Ryu (Wa = Frieden; Do = Weg; Ryu = Schule) zeigt an, dass sich diese Kampfkunst als Teil der japanischen Do-Künste versteht, deren Übungsziel der innere Frieden für den einzelnen und damit letztendlich für die Gesellschaft ist. Die dem Wado-Ryu zugrundeliegenden Bewegungsprinzipien, wie z.B. Ausweichen und Mitführen der gegnerischen Technik bei einem Angriff, Eindringen in den Angreifer und Kontrolle des Gegners sowie fließende Übergänge zwischen den einzelnen Techniken, sind denen der anderen japanischen Budokünste wie Kendo, Jodo oder Aikido verwandt. Technisch lässt sich Wado-Ryu wie folgt beschreiben:

  1. Kampfführung und Technikausführung erfolgen möglichst rationell, wobei folgende Prämissen gelten:
    • keine falsche und überflüssige Technik
    • keine überflüssige Bewegung
    • kein überflüssiger Kraftaufwand.
  2. Es wird größtmögliche Mobilität angestrebt, was sich unter anderem darin zeigt, dass man versucht, den Körperschwerpunkt dauernd zu kontrollieren, wobei die Stellungen im Vergleich zu anderen Stilen relativ hoch und kurz sind, um auf Angriffe aus allen Richtungen reagieren zu können.
  3. Abwehr bzw. Angriff und Positionsveränderung erfolgen gleichzeitig, so dass kein Zeitverlust eintritt, wobei die Kontertechniken immer auf vitale Punkte (Tsubo) des Angreifers gerichtet sind.

Im Wado-Ryu wurden ursprünglich folgende Kata gelehrt: Pinan 1 -5, Kushanku, Naihanchi, Seishan und Chinto. Heute werden daneben noch weitere Kata wie z.B. Bassai oder Wanshu geübt. Weitere wichtige Übungsformen im Wado-Ryu sind: Tantodori (Messerabwehr), Kihonkumite, Tachidori (Schwertabwehr) und Idori (Abwehr in Seiza gegen verschiedene Angriffe).

Durch das Engagement vieler japanischer Lehrer ist Wado-Ryu heute eine der verbreitetsten Stilrichtungen auf der Welt. Stellvertretend für die zahlreichen japanischen Wado-Ryu-Karateka, die in den letzten dreißig Jahren in Europa Wado-Ryu unterrichteten bzw. unterrichten, sei kurz die Arbeit einiger Lehrer geschildert: Herr Suzuki (8. Dan; Hanshi) ließ sich 1965 in London nieder, um Karate zu unterrichten. Seitdem erteilt er Karateunterricht in ganz Europa und hat maßgeblich die Arbeit in der Federation of European Wado-Kai (= Dachorganisation der europäischen Wado-Ryu-Karate-Verbände) beeinflusst. Vor einigen Jahren trennte sich Herr Suzuki vom europäischen Wado-Kai und gründete seinen eigenen Karatestil Suzuki-Ha-Wado-Ryu.

Herr Kono (8. Dan Hanshi) blieb 1965 zunächst einige Monate in Großbritannien und ging dann in die Niederlande, wo er im selben Jahr die Dutch Wado-Kai Federation gründete. Seit 1970 lebt er in Deutschland und hat hier die Entwicklung des Wado-Ryu zusammen mit Imai Sensei (6. Dan Kyoshi) entscheidend vorangebracht. Außerdem wurde durch ihn die Verbreitung des Wado-Ryu in Osteuropa insbesondere im ehemaligen Jugoslawien gefördert. Er ist ranghöchster Wado-Ryu-Karateka im DKV und Vorsitzender des europäischen Wado-Kai.

Herr Shiomitsu (8. Dan Hanshi) wurde 1965 persönlicher Assistent von Herrn Suzuki und unterrichtete Wado-Ryu weltweit. Auch er bekleidete jahrelang eine führende Position im europäischen Wado-Kai und lebt in England. Seit einigen Jahren ist er Cheftrainer einer eigenen Organisation der Wado-Ryu Karate-Do Academy. Shiomitsu Sensei arbeitet mit Hironori Ohtsuka II, dem Sohn des Stilgründers eng zusammen und unterrichtet Wado-Ryu-Karate in vielen Ländern der Welt, u.a. auch in Deutschland.

Auf der Basis der Unterrichtstätigkeit der japanischen Lehrer hat sich das Wado-Ryu-Karate in Europa hervorragend entwickelt, was sich zum einen in den zahlreichen Wettkampferfolgen auf europäischer und Weltebene widerspiegelt, zum anderen aber auch in der wachsenden Anzahl guter europäischer Wado-Ryu-Lehrer. Als Beispiel sei hier Herr Zwartjes (7. Dan) genannt. Er ist Mitglied der technischen Kommission der WKF und als ehemaliger Nationalcoach der Niederlande einer der erfolgreichsten Trainer der Welt.

Karl-Heinz Stief, Stilrichtungsreferent Wado-Ryu



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http://www.karate-freising/wado-ryu.html gedruckt am 23. November 2017